Artikel 05

Die Häute der Verständigung.
Claudius Nestvogel, M.A.

Massage, Chiropraktik, Handauflegen oder sanftes Bewegtwerden sind meist angenehm, erleichternd und können manchmal einen "neuen" Menschen aus uns machen. Aber wie funktioniert das eigentlich, was passiert dabei? Schon ein kurzer Überblick über Theorien und Modelle der Wirkungsmechanismen von Körperarbeit läßt die Faszination dieses Gebietes erahnen. 

Das mechanische Modell
Die mechanischen Wirkungen von Körperarbeit sind recht offensichtlich: Muskeln und Bänder werden gedehnt, Lymphe und venöses Blut werden weitergeschoben, das gedrückte und geriebene Gewebe sondert Hormone ab, Knochen werden wieder an ihren richtigen Platz gerückt. Es handelt sich also um lokale Veränderungen. Besonders die Osteopathen und Chiropraktiker haben sehr exakte Techniken entwickelt, um Gelenke entsprechend ihrer genauen Mechanik wieder in die richtige Arbeitsposition zu bringen und um das umliegende Gewebe in den Zustand zu versetzen, der die Gelenkfunktion unterstützt. Immer mehr Untersuchungen zeigen jedoch, daß sich bei Knochenmanipulation oft garnichts dauerhaft an der Gelenkstellung ändert, und daß das umliegende Gewebe garnicht die mechanischen Eigenschaften besitzt, die es in dem geforderten Sinne manipulierbar machen.

Das neurophysiologisch-mechanische Modell
Deshalb halten in der Manuellen Therapie mehr und mehr Theorien Einzug, die davon ausgehen, daß durch Manipulation die Arbeitsweise der Schaltstellen des Nervensytems im Rückenmark beeinflußt wird. So wie sich reflexartig die Beugermuskeln eines Beines anspannen, dessen Fuß auf einen Nagel tritt, und sich gleichzeitig die Streckermuskulatur des anderen Beines anspannt, so daß wir uns blitzartig auf das unversehrte Bein stellen können, um das andere vom Schmerzherd wegzuziehen. Nur daß sich bei erfolgreicher Manipulation die langdauernden, also tonischen Spannungszustände der Muskulatur ändern.

Das energetische Modell
Eine ganz andere Art, die Wirkung von Körperarbeit zu erklären, ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Danach wird der Körper von einer Energie entlang bestimmter Bahnen durchflossen, wird von ihr durchdrungen und eingehüllt. Solche Vorstellungen sind Jahrtausende alt und kommen in vielen Kulturen vor. "Energie" ist allerdings zu einem unklaren Sammelbegriff geworden und kann alles Mögliche bedeuten: von geheimnisvoller Kraft, über Charisma, Entschlossenheit und Willenskraft, bis hin zu Licht, Wärme oder einem Prickeln. 
Es gibt Behauptungen, daß es eine der Physik noch nicht bekannte Energieform gibt, wie zum Beispiel Wilhelm Reichs Orgonenergie. Nur ist es bisher noch nicht gelungen, die Existenz einer solchen Energieform zweifelsfrei nachzuweisen. 
Dagegen hat sich mit der zaghaft begonnenen Erforschung elektromagnetischer Phänomene im Körper ein aufregender Bereich eröffnet. So lassen sich neben der bekannten elektrischen Erregungsleitung im Nervensystem auch schwache Gleichströme und elektromagnetische Felder im Körper nachweisen. Und im Mikrobereich biologischer Gewebe gibt es Lichterscheinungen und piezoelektrische Effekte. Kollagenmoleküle, wie sie in Sehnen, weichem Bindegewebe und Knorpel vorkommen, können nämlich mechanische Verformungen in Elektrizität umwandeln. Das gilt auch für Knochen. Wie weit aber diese mikroskopischen Phänomene im makroskopischen Bereich relevant sind, ist noch völlig ungeklärt. Spekulativ sind jedoch schon eine Vielzahl von verstreuten und oft noch nicht überprüften Einzelfunden zusammengefügt worden, um die Theorie eines energetischen Regulationsmechanismus zu untermauern. 

Diese drei Modelle haben eines gemeinsam: der Patient ist nur als Körper und als spinales Reflexwesen dabei. Der Behandler übt einen physikalischen Einfluß aus, mit kinetischer oder mit elektromagnetischer Energie. Energetische Behandlungsmethoden sind dabei noch mechanischer als Chiropraktik. Energieausgleich, -stimulation oder -ableitung könnte ja prinzipiell auch mit Geräten geschehen und tatsächlich gibt es schon diverse Geräte solcher Art, von der Elektroakupunktur bis zum Orgonakkumulator. 

Das vegetative Modell
Während Erklärungen der reflektorischen Tonusregulation im Prinzip ohne End- und Zwischenhirn auskommen, gilt das nicht mehr für die Erklärung allgemeinerer Wirkungen von Hautreizen. Diese werden vor allem vom autonomen Nervensystem, mit seinen Steuerzentren im Zwischenhirn vermittelt. Das ist z.B. der Fall, wenn sich durch Berührung der Atem vertieft, uns heiß oder kalt wird. Welche gewaltigen allgemeine Wirkungen lokale Hautreize haben können, zeigt sich anschaulich und wonniglich beim Liebesspiel; aber heftige Reaktionen auch unangenehmer Art bis hin zu Schwindel, heftigem Schwitzen, Übelkeit, Durchfall können sich ebenso bei klinischen Massagen manchmal einstellen. Sie sind typische Zeichen einer deutlichen Reaktion des vegetativen Nervensystems, mit denen sich der gesamte Organismus auf seine Umgebung einstellt, die sich ihm durch bestimmte Signale auf seiner Haut vermeintlich oder tatsächlich offenbart hat. Umgekehrt läßt sich durch entsprechende Reize eine tiefe organismische Erholungsreaktion auslösen, wie sie ja von vielen Massagearten angestrebt wird.

Alle diese Modelle sind notwendig, aber offensichtlich nicht hinreichend. Denn während das Repositionieren von luxierten ("ausgekugelten") Gelenken, oder die Mobilisierung von steifen Gelenken durch kraftvolles Dehnen der verkürzten Bänder ebenso wie Chirurgie zu Schonung des Patienten unter Anästhesie durchgeführt wird, wirken viele Methoden der Körperarbeit unter solchen Bedingungen nicht. Das gilt sogar für das Rolfing, das nach traditioneller Auffassung das Bindegewebe dehnt, verkürzt und verschiebt. Eine Erweiterung der Perspektive ist also vonnöten.

Berührung ist lebensnotwendig
Berührung ist ebenso nötig wie Essen, Trinken und Schlafen. Ashley Montague hat ein ganzes Buch ("Touching. The Human Significance of the Skin") dieser immer noch zu wenig bekannten Tatsache gewidmet. Hier nur ein paar Beispiele. Mangelnde körperliche Zuwendung führt zu Wachstumsverzögerung, geistiger Retardierung und sogar zum Tod, wie in Waisenheimen beobachtet werden konnte. Kleine, mutterlose Äffchen klammern sich lieber an ein mit Teddystoff überzogenes Drahtgestell in Gestalt einer Affenmutter, als an ein gleiches, aber "nacktes" Drahtgestell, das ihnen Milch liefert. Auch wenn sie eine solche Versuchsanordnung überleben, läßt sie später die mangelnde Berührung zu Rabenmüttern werden. An Ratten hat man ausprobiert, daß nichts die Berührung der Mutter ersetzen kann, weder ihr Geruch, noch die Wärme, ja nicht einmal die Anwesenheit der vollnarkotisierten Mutter selbst. Nur wenn die kleinen Ratten so gestreichelt wurden, wie ihre Mutter sie normalerweise abschleckt, kehrten die Werte des Wachstumshormons auf annähernd normal zurück. Berührungen sind oft auch notwendig, um spezifische Körperfunktionen zu fördern: wenn die Hundemutter nicht intensiv den After ihrer Kleinen lecken würde, hätten sie Schwierigkeiten mit der Ausscheidung, an denen sie sterben können. Auch bei Menschenbabys hilft Reiben und Massieren der Aftergegend bei Verstopfung, wie Kinderkrankenschwestern und Hebammen wissen.
Anfassen ist wesentlich für die Integration von Sinneswahrnehmungen. Ein Säugling beginnt seine Welt durch Berührung zu erkunden, mit dem Mund, den Händen, später mit dem ganzen Körper. Gleichzeitig lernt er dabei sich selbst, seine Grenzen. Blindgeborene Menschen, deren Sehvermögen durch eine Operation wiederhergestellt wurde, müssen die auf sie einstürmenden visuellen Eindrücke erst durch Ertasten ordnen, um irgend etwas erkennen zu können.

Haut und Muskeln als Sinnesorgan
Unsere Haut ist voller Sinnesorgane:  Da gibt es Meissner-Körper, Tastscheiben, Haarfollikel-Rezeptoren, Ruffini-Körperchen, Merkelzellen und Pacini-Körper, die in unterschiedlicher Weise auf Druck, Berührung und Vibration reagieren. Das gilt nicht nur für die äußere Haut, sondern auch für all die Häute, die jedes Organ, jeden Nerv, jedes Gefäß, jeden Knochen, ja jede Struktur unseres Körpers umhüllen und durchdringen. Das Organgewebe selbst ist oft völlig schmerzunempfindlich, was nebenbei auch erklärt, warum man in Notsituationen Operationen ohne Narkose ertragen kann, wenn erst einmal die Hautschichten durchtrennt sind. Das größte Organ stellen die Muskeln dar, die wiederum voller Muskelspindeln sind, Sensoren, die die Spannung des Muskels messen. Die Häute, die die Muskeln einhüllen, die Faszien, sind besonders reich an Rezeptoren; in den Sehnen, wo die Faszien zusammenfließen, finden sich sogenannte Golgi-Rezeptoren, und die Gelenkkapseln enthalten reichlich Sinnesorgane (Ruffini-Körper, Golgi-Organe, u.a.). Jede Berührung reizt also nicht nur unsere Außenhaut, sondern all die Häute der von der Berührung ebenfalls verschobenen Gewebe. So werden die Muskeln und ihre Häute, die Faszien, zu einem komplexen Sinnesorgan, dessen Bedeutung bislang weit unterschätzt worden ist, wie neueste Forschungen andeuten. Oliver Sacks hat sehr plastisch beschrieben, wie der Körper regelrecht verschwindet, wenn die Nerven ausfallen, die die muskulären Informationen weiterleiten. Jede Bewegung, ja jede Position muß dann über das Sehen kontrolliert werden, das die einzige Möglichkeit der Rückmeldung bietet. "Aus den Augen, aus dem Sinn" gilt dann erschreckend wörtlich; Gliedmaßen, die nicht mehr im Blickfeld sind, machen dann irgendetwas, irgendwo, bis sie wieder von den Augen, vom Bewußtsein gefunden werden. Das Bewußtsein der Betroffenen lebt in einer leeren Hülle, körperlos.

Sensorische Integration des Spürens
Die Impulse, die die verschiedenen Sinnesorgane in Häuten und Muskeln erzeugen, werden erst im Nervensystem zu einem sinnergebenden Ganzen zusammengefügt, hochgerechnet. Schon so eine banale Handlung wie das Schreiben mit einem Stift beweist das: wir fühlen nicht nur den Stift in den Fingern, sondern auch die Spitze des Stiftes auf dem Papier - der Stift hat aber keine Nerven! Unser Gehirn integriert die verschiedenen Empfindungen in den Fingern und läßt uns über die Haut hinausfühlen (Bekesy 1967). Man kann sogar lernen, mit der Haut zu sehen, wenn die Bildpunkte einer Videokamera in ihrer jeweiligen relativen Helligkeit umgesetzt werden in Druckpunkte mit entsprechender Intensität auf einer genügend großen Hautfläche der Brust. Mit einiger Übung kann eine solche Apparatur im Groben die Funktion eines Auges, besser einer Netzhaut übernehmen. Die Erforschung von Schmerzen zeigt, daß selbst am Zustandekommen dieser vermeintlich primitiven Empfindung weite Teile des Gehirns beteiligt sind. Denn Menschen spüren Schmerzen in Gliedern, die ihnen längst amputiert worden sind - der berühmte Phantomschmerz - und chronische Schmerzen lassen sich manchmal nicht durch das chirurgische Durchtrennen der Nervenverbindungen unterbinden. Andererseits können Schmerzen je nach Stimmungslage oder Richtung der Aufmerksamkeit stärker oder schwächer werden - im Krieg frisch Verwundete haben weniger Schmerzen, wenn sie wissen, daß Hilfe nahe ist.

Die Hierarchie der Informationsverarbeitung
Berührungsempfindung, Bewegung, Denken und Fühlen sind so eng miteinander verwoben, daß Muskeln und Gehirn eine funktionale Einheit bilden, weit über Reflexe und autonomes Nervensystem hinaus. Die unglaublich komplexen und differenzierten Bewegungen, zu denen wir fähig sind (z.B. Neurophysiologen, die mit der Hand Elektroden in Zellen einführen, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind!) können wir nur ausführen, weil wir so detailliert spüren können. Jede Berührung, jede Bewegung löst natürlich mechanische Veränderungen aus. Aber es ist die Wahrnehmung dieser Veränderungen, die das Nervensystem in einem komplizierten Vorgang auswertet, um herauszufinden, was um uns herum und mit uns geschieht, und was die geeignetste Reaktion darauf ist. Der Informationsgehalt und die Bedeutung von Berührung sind somit fast immer ungleich wichtiger als die mechanische Einwirkung. Bedeutung ergibt sich nur innerhalb eines größeren Zusammenhangs, eines Kontextes. Einzelne Informationen sind bedeutungslos, wenn sie nicht in Beziehung zu anderen gebracht werden können. Je komplexer das Nervensystem, umso mehr Bezugsebenen kann es in der Verarbeitungshierarchie erstellen. Laute ergeben einen Sinn nur, wenn man die Worte erkennt, Worte versteht man nur dann, wenn man die Sprache versteht und die Sprache nur, wenn man die kulturellen Regeln kennt, mit denen sie angewandt wird. Ganz ähnlich ist es mit Berührung und Bewegung. Jede Kultur hat ihre Bewegungssprache, ihre non-verbale Sprache und ihre Berührungssprache. Wer wen wann wie und wo anfassen darf, ist kulturell vorgegeben und unterliegt bestimmten Regeln. Engländer sind ausgesprochen berührungsarm, Italiener oder Ghanaer berühren sich im alltäglichen Umgang viel häufiger. Was eine Berührung bewirkt, d.h. wie der Berührte darauf reagiert, hängt daher natürlich auch von den Umständen ab, in denen Berührung geschieht. Dabei sind, wie bei jeder Kommunikation, Mißverständnisse ebensowenig ausgeschlossen wie Widersprüche auf verschiedenen Ebenen. 

Kommunikation statt Manipulation
Und natürlich ist auch der Anteil unterschwelliger Kommunikation vorhanden. Aus der Eutonie wissen wir, daß sich der Spannungszustand des Berührenden ganz schnell und automatisch auf den Berührten überträgt, im guten wie im schlechten Sinne. Trotz der erstaunlichen Feinfühligkeit von Muskeln und Häuten sind Sinnestäuschungen nicht nur den Augen und Ohren vorbehalten. Jeder mit Massage Vertraute kennt den Effekt, wenn der Masseur seine Hände eine Weile an einer Stelle ruhen läßt und sie dann ganz behutsam entfernt: man spürt die Hände daraufhin noch viel länger auf der Haut, als sie tatsächlich da sind. Und jeder gute Bewegungslehrer weiß, daß der Körpersinn nicht zuverlässig ist, denn Menschen mit Haltungsschäden fühlen sich krumm und schief, wenn sie in eine aufrechte und gerade Haltung gebracht werden. Sowenig, wie wir immer wissen, was wir sagen, so wenig wissen wir oft, was wir tun. Das gilt besonders für den Bereich ganz kleiner Bewegungen, der nahezu automatisch auf Vorstellungen und Phantasien reagiert. Durch die enge Kopplung von Bewegung und Wahrnehmung erzeugen wir die Empfindungen, die wir spüren wollen, durch unwillkürliche Muskelspannung. Daher ist im Grenzbereich der Wahrnehmung ein rein passives Erspüren auf Seiten des Behandlers schwierig, wenn er bestimmte Vorstellungen darüber hat, welche Bewegungen er spüren wird. So kann ein Interaktionskreislauf entstehen, in dem (vielleicht sogar unbewußte) Erwartungen des Behandlers feinste Bewegungen in seinen Händen auslösen, die vom Klienten wahrgenommen werden, der ihnen mit entsprechend feinen Bewegungen nachgibt oder widerstrebt, so daß der Behandler nun auf tatsächliche feine Bewegungen reagiert, usw. So kann sich ein Tanz von Bewegungen hochschaukeln, bei dem niemand mehr weiß, was Spüren und was Bewegen ist. Es gibt Methoden von Körperarbeit, die hauptsächlich in diesem Grenzbereich von Phantasie und Wirklichkeit arbeiten, die aber erstaunlicherweise zur Erklärung für ihre Wirksamkeit ein mechanisches Modell zugrundelegen. Angesichts der ungeheuren Vernetzung von Nervensystem, Haut und Muskeln scheint aber der kommunikative Aspekt von Berührung besser geeignet zur Erklärung. Gerade bei sanfter Berührung tritt der mechanische Effekt hinter dem zurück, was das Nervensystem an Information aufnimmt. Und das ist vielschichtig: da ist die Verfassung des Behandlers, sein Spannungszustand, seine Ruhe und Konzentration; da sind seine Erwartungen an den Berührten; da sind seine Hände als eine Art Bio-Feedback-Instrument, das die Wahrnehmung des Klienten über seinen eigenen Körperzustand und sein eigenes Tun verbessert und korrigiert. Werden da wirklich geheimnisvolle Energien übertragen oder nicht viel mehr Informationen? 

Spüren und Bewegungswahrnehmung sind also hochkomplexe Leistungen des Nervensystems. Es wird immer klarer, daß Gelenkmechanik, Gewebseigenschaften, elektromagnetische Felder und Reflexbahnen notwendige, aber längst nicht hinreichende Erklärungen für das geben, was bei Körperarbeit geschieht, die immer ein vielschichtiges kommunikatives Geschehen darstellt, das nicht automatisch frei ist von Täuschungen, Illusionen und Mißverständnissen. 

Die Zukunft hat begonnen
Mit der zunehmenden Erweiterung unseres Wissens über das Nervensystem werden möglicherweise viele Praktiker zukünftig feststellen müssen, daß, ungeachtet der Erfolge ihrer Arbeit, sie tatsächlich etwas anderes tun als sie bisher zu tun glauben. 
Die Methoden der Körperarbeit, wie Rolfing, Trager-Arbeit, Shiatsu, Cranio-Sacral-Arbeit, Esalen-Massage, u.v.a.m., sind vielfach aus medizinischen und paramedizinischen Verfahren, die symptomorientiert arbeiten, bzw. aus der Auseinandersetzung mit ihnen hervorgegangen. Sie unterscheiden sich von diesen durch einen ganzheitlichen Ansatz, mit dem sie immer den ganzen Körper/Menschen behandeln. Ob ausgesprochen oder unausgesprochen haben sie mit ihnen aber mechanisches, energetisches oder reflex-orientiertes Denken gemein, sind eben "Körper"-Arbeit, die sich bemüht, "die Psyche" zu integrieren.
Der Bereich des somatischen Lernens, zu dem z.B. die Gindler-Arbeit, Alexander-Technik, Eutonie, Feldenkrais Funktionale Integration zählen, hat degegen ein anderes Selbstverständnis entwickelt und Berührung von jeher als Kommunikation verstanden. Diese Methoden grenzen sich ab von Methoden der "Körperarbeit", denn sie manipulieren nicht den Körper, weder mechanisch noch energetisch, sondern sie informieren den Klienten durch Berührung.
Allerdings geht von diesem Bereich schon seit Jahren ein großer Einfluß auf die "klassischen" Methoden der Körperarbeit aus, so daß an manchen Stellen die Grenzen verschwimmen.

Copyright© Claudius Nestvogel 1996


(erschienen in: connection special III/96 "Heilen durch Berühren", S.10-15. Die Redaktion hatte allerdings einige Änderungen vorgenommen und ein fehlerhaftes Glossar angehängt)





Texte und Bilder Copyright  Claudius Nestvogel 2005 - 2012


Erstellt mit Sandvox